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    Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag

    Das nordrhein-westfälische Handwerk an der Jahreswende 2006/2007

    Der Rückblick auf das jetzt zu Ende gehende Jahr lässt die wirtschaftliche Lage des nordrhein-westfälischen Handwerks wieder in einem freundlicheren Licht erscheinen. Der gesamtwirtschaftliche Wachstumstrend erfasste zuletzt zunehmend auch das Handwerk. Vor allem die seit langem stagnierende Inlandsnachfrage zog in der zweiten Jahreshälfte merklich an und konnte das Handwerk aus seiner Rezessionsphase befreien. Auftragseingänge und Umsatz nahmen in den letzten Monaten des vergangenen Jahres im Vergleich zur Entwicklung im Jahr zuvor bei einer Mehrzahl der Unternehmen wieder zu. Nach den bis heute vorliegenden Daten hat das nordrhein-westfälische Handwerk im Jahr 2006 ein leichtes Umsatzplus von knapp einem Prozent erzielen können.

    Aber nicht allein die Umsatzentwicklung war im zurückliegenden Jahr aufwärtsgerichtet. Seit der Handwerkszählung 1995 ist auf dem handwerklichen Arbeitsmarkt erstmals wieder eine steigende Tendenz zu erkennen. Nach zehn Jahren Arbeitsplatzabbau haben die Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte 2006 wieder vermehrt Arbeitskräfte eingestellt. Zwar wird der große Durchbruch in der Beschäftigungspolitik im Handwerk kurzfristig noch nicht einsetzen, weil die Arbeitskosten in Deutschland eine größere Personalexpansion in den Betrieben nicht erlauben. Gleichwohl zeigt die sich jetzt abzeichnende Tendenz, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und sich verbessernde wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen dem Handwerk Wachstumsimpulse verliehen haben.

    Im vergangenen Jahr konnte der nordrhein-westfälische Handwerkstag zentrale Forderungen aus der mittelstandspolitischen Agenda auf den Weg bringen. In entscheidenden Fragen hat die Arbeit zum Erfolg geführt. In der Vergabepolitik beispielsweise, hat der NWHT mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW eine mittelstandsfreundliche Vergabevereinbarung abschließen können. Eine Reform des nordrhein-westfälischen Gemeindewirtschaftsrechts lässt klar die Priorität "Privat vor Staat" erkennen. § 107 der Gemeindeordnung soll danach mittelstandsfreundlich verschärft und die Betätigung kommunaler Unternehmen auf marktfremde Kerntätigkeiten zurückgedrängt werden. Positiv bewerten wir auch die Absicht der Landesregierung, künftig Monstermärkte auf der grünen Wiese zu vermeiden. Und auch beim Bürokratieabbau kommt das Land voran. Als besonders großen Erfolg aber werten wir die Einigung der großen Koalition bei der Unternehmenssteuerreform. In weiten Bereichen wurden die Vorschläge des Handwerks voll übernommen. Dies ist ein wichtiger Erfolg für unseren Wirtschaftszweig und für den Standort Deutschland. Schließlich ist noch das Programm zur energetischen Gebäudesanierung zu nennen, das den Bau- und Ausbauhandwerken spürbare Wachstumsimpulse verliehen hat.

    Aber nicht in allen Bereichen der Politik kann das Handwerk mit den Ergebnissen zufrieden sein. Zu nennen ist an dieser Stelle die Gesundheitsreform, die wir nicht als eine echte Reform bezeichnen können. Sie ist sowohl versicherten- als auch wirtschaftsfeindlich. Wenn das Handwerk und auch die übrige mittelständische Wirtschaft dauerhaft bezahlbare Arbeitsplätze schaffen soll, ist eine Abkoppelung der Kosten der sozialen Sicherung vom Lohn unabdingbar. Gerade das sehr arbeitsintensiv produzierende Handwerk leidet unter den hohen Lohnzusatzkosten in Deutschland. Ein weiterer Bremsklotz, der die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks im neuen Jahr behindern wird, ist die mit dem 1. Januar in Kraft tretende Mehrwertsteuererhöhung. Viele unserer Handwerksbetriebe werden diese Kostensteigerung nicht an die Kunden weitergeben können, sodass einschneidende Ertragseinbußen die Folge sein werden.

    Ein Jahr voller Hoffnungen und Sorgen, aber auch ein Jahr voller Anstrengungen zur Verteidigung der Position von Handwerk und Mittelstand geht jetzt zu Ende. Viele Erfolge haben wir dabei verbuchen können. Die Herausforderungen am Beginn des neuen Jahres wird das nordrhein-westfälische Handwerk durch seine Innovationskraft und die Flexibilität seiner Unternehmen und mit einer schlagkräftigen Interessenvertretung meistern. In diesem Sinne wünschen wir allen Betriebsinhabern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Familienangehörigen und Lesern dieser Zeitung gesegnete und friedvolle Festtage und einen guten Start in das Neue Jahr.

    Siehe auch Grunddaten zum Jahreswechsel.

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