Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag Statement von Dr. Thomas Köster, Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages zur Pressekonferenz der Auftaktveranstaltung des NRW-Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage am 10.12.2000 in Dortmund Das Handwerk beteiligt sich am NRW-Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, weil wir glauben, dass dieser Beitrag wichtig und unverzichtbar ist. Durch die Ausbildungsleistung des Handwerks werden junge Menschen aus ausländischen Familien auf die denkbar nachhaltigste Weise in unsere Gesellschaft integriert. In den Betrieben und den überbetrieblichen Lehrwerkstätten wirken ausländische und deutsche Jugendliche auf das Engste zusammen. Die berufspraktische Ausbildung vermittelt ihnen gemeinsame Erfolgserlebnisse, stärkt ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl und immunisiert sie damit (soweit das nur möglich ist) gegen extremistische Einflüsse. Der Anteil ausländischer Beschäftigter ist im Handwerk gegenüber der Gesamtwirtschaft überdurchschnittlich. 13,6 Prozent der Beschäftigten im Handwerk sind Ausländer. In der NRW-Gesamtwirtschaft beträgt der Anteil ausländischer Beschäftigter dagegen 9,1 Prozent. Mehr als ein Drittel der Klein- und Mittelbetriebe des Handwerks beschäftigen ausländische Mitarbeiter und ein Viertel der Betriebe käme ohne ausländische Mitarbeiter in erhebliche Kapazitätsprobleme, da der Arbeitsmarkt zu wenig qualifizierte einheimische Arbeitskräfte zur Verfügung stellt. 9,5 Prozent der Selbständigen im NRW-Handwerk sind ausländische Unternehmer. Besonders eindrucksvoll ist die Zufriedenheit der Handwerksunternehmer mit ihren ausländischen Mitarbeitern. Für 92 Prozent der Betriebsinhaber sind die ausländischen Mitarbeiter hinsichtlich Arbeitsqualität, Fleiß und Zuverlässigkeit im Vergleich zu deutschen Beschäftigten gleich oder besser zu beurteilen. Besonders hoch ist die Zufriedenheit der Betriebsinhaber mit ihren Auszubildenden aus ausländischen Familien. 50 Prozent der Lehrlinge des Handwerks kommen aus den Hauptschulen. Dort zählen gerade junge Menschen aus ausländischen Familien zu den besonders guten Schülern, die anschließend den Weg ins Handwerk finden. Wer als ausländischer Jugendlicher seine Gesellenprüfung dann erfolgreich abgelegt hat, der ist bei seinen Alterskollegen akzeptiert und anerkannt. Sowohl für junge Menschen aus deutschen als auch aus ausländischen Familien gilt: Es gibt keinen besseren Schutz gegen Arbeitslosigkeit als eine qualifizierte Ausbildung. Wer eine Ausbildung absolviert hat und als qualifizierte Fachkraft Arbeitslosigkeit nicht zu fürchten braucht, der hat alle Voraussetzungen um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und ist nicht in Versuchung, Minderwertigkeitsgefühle dadurch zu kompensieren, in dem er Menschen aus anderen Ländern zum Sündenbock stempelt. Das Handwerk reiht sich gerade auch mit seinen überbetrieblichen Lehrwerkstätten in das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage ein. 20 Prozent aller Beschäftigten und 40 Prozent aller Auszubildenden sind im Handwerk. Das Handwerk ist nicht nur Stabilisator für Ausbildung und Beschäftigung sondern auch ein wichtiger Faktor für die Stabilität unserer gesamten Gesellschaft. |
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