Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag Kreditversorung des MittelstandesDer Nordrhein-Westfälische Handwerkstag führte eine empirische Untersuchung bei 6.000 Handwerksunternehmen in Nordrhein-Westfalen zur Kapitalversorgung des Mittelstandes durch. Thematische Schwerpunkte bildeten einmal die Zufriedenheit der Handwerksunternehmer mit den Banken sowie die Finanzierungssituation im Handwerk. Die Ergebnisse zeigen Handlungsbedarf in wichtigen Bereichen. Mittelständische Unternehmen werden bei ihren Banken im Vergleich zu industriellen Großkunden weiterhin benachteiligt. Gegenüber einer Umfrage, die der NWHT vor fünf Jahren durchführte, hat sich die Situation sogar verschlechtert. Wenn es finanziell einmal schwieriger wird, geraten Betriebe häufig durch das Verlangen der Kreditinstitute nach zusätzlichen Sicherheiten in Schwierigkeiten. Auch wenn ein Bankenwechsel im Handwerk eher seltener vorkommt, ist eine zu geringe Beweglichkeit der jeweiligen Hausbank bei Wachstumsfinanzierungen ein ausschlaggebender Grund beim Wechsel des Kreditinstituts. Die Versorgung des Handwerks mit Beteiligungskapital ist unzureichend. Mehr als jedes zehnte Handwerksunternehmen suchte bisher vergeblich einen Beteiligungspartner. Die Eigenkapitaldecke im Handwerk ist in den letzten fünf Jahren noch dünner geworden. Elf Prozent der befragten Handwerksunternehmer haben einen Eigenkapitalanteil von unter zehn Prozent. Vor fünf Jahren hatten nur 7,2 Prozent diesen niedrigen Eigenkapitalanteil. Die Ergebnisse im einzelnen: Hauptbankverbindung Die Hauptbankverbindung der Handwerksunternehmen sind weiterhin die Kreis- und Stadtsparkassen sowie die Genossenschaftsbanken. 76,5 Prozent der Befragten führen dort ihre Konten. 23,5 Prozent der Unternehmen haben ihr Konto bei einer privaten Großbank. Die Handwerksuntenehmer sind mit ihren Geschäftsbanken im großen und ganzen zufrieden. Überwiegend werden die Noten gut" und befriedigend" erteilt. Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmer geben dieses Urteil ab. Differenziert nach Bankengruppen schneiden Genossenschaftsbanken sowie Kreis- und Stadtsparkassen besser ab als private Großbanken. Betriebsgrößenbedingte Benachteiligungen Drei Viertel der mittelständischen Handwerksunternehmen fühlen sich durch ihre Banken gegenüber industriellen Großunternehmen benachteiligt. Die Hälfte der Handwerksunternehmer, die sich benachteiligt fühlen, geben das Urteil deutlich spürbar" ab, die andere Hälfte gibt an, dass sie sich gelegentlich" gegenüber Großunternehmen benachteiligt fühlt. Im Vergleich mit der Befragung aus dem Jahre 1994 werden mittelständische Unternehmen heute schlechter behandelt als vor fünf Jahren. Statt heute 75 Prozent glaubten damals nur 66 Prozent, als Kleinunternehmen gegenüber Großkunden benachteiligt zu werden. Nach Bankengruppen differenziert werden keine signifikanten Unterschiede sichtbar. Tendenziell schneiden die Stadtsparkassen und Kreissparkassen sowie die Genossenschaftsbanken etwas besser ab. Reaktionen auf finanzielle Engpässe Die Banken reagieren weiterhin inflexibel auf finanzielle Engpässe im Unternehmen. 40,4 Prozent der befragten Handwerker geben an, dass zusätzliche Mittel in diesen Fällen nur gegen weitere Sicherheiten zur Verfügung gestellt werden. Gerade dann wenn es regnet, wird der Regenschirm häufig zugeklappt. 8,1 Prozent machten sogar die Erfahrung, dass laufende Kredite gefährdet waren, wenn sich ein finanzieller Engpass im Unternehmen einstellte. Auf der anderen Seite gab aber knapp ein Viertel der Unternehmer an, dass ihre Bank bei Liquiditätsschwierigkeiten zusätzliche Mittel zur Verfügung stellt. Die Risikobereitschaft der Banken hat sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert. Bei der Unternehmensbefragung 1994 machten immerhin 28,4 Prozent der Unternehmer die Erfahrung, dass bei Liquiditätsschwierigkeiten die Bank flexibel reagieren konnte. Trotz bestehender Probleme der Handwerksunternehmen mit ihren Banken bleiben sie ihrer gewählten Bank überwiegend treu. 82,4 Prozent der befragten Unternehmer haben ihre Hauptbankverbindung seit der Unternehmensgründung nicht gewechselt. Die Sparkassen nehmen hier eine Spitzenposition ein. 87,4 Prozent der Sparkassenkunden wechselten ihre Bankverbindung seit der Gründung nicht. Die Genossenschaftsbanken nehmen eine hervorragende Position ein. Hier liegt der Wert bei 82,5 Prozent. Häufiger wechselten die Handwerksunternehmer ihre Bank, wenn sie Kunde einer privaten Großbank waren. Dies wurde in 24,3 Prozent der Fälle beobachtet. Die Gründe für den Bankenwechsel waren in erster Linie die mangelnde Bereitschaft in finanziell schwierigen Situationen Liquidität zur Verfügung zu stellen. Dies gaben 64,8 Prozent der Unternehmer an. Ungünstige Konditionen beklagten 47,3 Prozent der Befragten, schlechte Beratung 48,4 Prozent und mangelnder Service 42,9 Prozent der Unternehmen, die einen Bankenwechsel vornahmen. Bedeutung alternativer Finanzierungsformen Die Finanzierung durch Eigenkapital bleibt die wichtigste Finanzierungsquelle im Handwerk. Mehr als die Hälfte (57,2 Prozent) der Handwerksunternehmen hat einen Eigenkapitalanteil von bis zu 50 Prozent. Allerdings verfügen elf Prozent der Unternehmen über ein Eigenkapital von weniger als zehn Prozent der Bilanzsumme. Insgesamt stufen 95,9 Prozent der befragten Unternehmer Eigenkapital als die Finanzierungsquelle der ersten Wahl ein. Bei der Finanzierung mit Fremdkapital hat die erste Priorität der Kontokorrentkredit. 87,6 Prozent der befragten Unternehmer wählen diese Form der Kreditaufnahme, um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Die Finanzierung mittel- bis längerfristiger Vorhaben erfolgt durch Bankkredite mit der entsprechenden Laufzeit. 72,1 Prozent der Befragten nehmen diese Finanzierungsform in Anspruch. Der Lieferantenkredit spielt bei 67,3 Prozent der befragten Unternehmer eine Rolle, wobei das Zahlungsziel überwiegend in der Größenordnung zwischen drei bis sechs Wochen liegt. Dabei bleiben die Unternehmer ihrem Hauptlieferanten überwiegend treu. 63,8 Prozent der befragten Handwerker haben seit der Unternehmensgründung ihren Hauptlieferanten nicht gewechselt. War dennoch ein Lieferantenwechsel notwendig, so spielte hier in erster Linie das Preisniveau des Lieferanten eine Rolle. Qualitätsmängel werden an zweiter Stelle genannt. Bei gut der Hälfte der Unternehmen spielt auch Leasing bei der Finanzierung eine Rolle. Dabei hat sich der Leasinganteil an der Gesamtfinanzierung in den letzten drei Jahren bei gut der Hälfte der Unternehmen nicht verändert. Eine steigende Entwicklung wird von gut jedem fünften Unternehmen gemeldet, während knapp ein Viertel den Leasinganteil an der Gesamtfinanzierung verringert hat. Öffentlich geförderte Kredite sind ein wichtiges Finanzierungsinstrument im Handwerk. Gut jedes dritte Unternehmen nimmt diese Finanzierungsform in Anspruch. Bei allen zuvor genannten Finanzierungsformen hat sich gegenüber der Befragung im Jahre 1994 kein nennenswerter Bedeutungswandel ergeben. Die Finanzierungsstruktur ist seither nahezu unverändert geblieben. Beteiligungsfinanzierung Beteiligungsfinanzierung spielt im Handwerk eine wichtige Rolle. Für nahezu jedes fünfte Unternehmen kommt nach den vorliegenden Umfrageergebnissen Beteiligungsfinanzierung in Frage. 3,4 Prozent der Handwerksunternehmen in Nordrhein-Westfalen haben bereits einen Teilhaber, der auch Einfluss auf die Unternehmenspolitik nimmt. Drei Prozent konnten einen privaten Investor gewinnen, der sich ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik an den betreffenden Handwerksunternehmen beteiligt. Im Handwerk herrscht aber Mangel an Beteiligungskapital. 11,5 Prozent der befragten Unternehmer suchten bisher erfolglos einen Beteiligungspartner für ihr Unternehmen. Die Gründe, warum Handwerksunternehmer Beteiligungspartner suchen, sind vielfältig. So gaben 21 Prozent in der Umfrage an, dass sie zusätzlichen unternehmerischen Sachverstand in ihr Unternehmen einbringen wollen. Eine breitere Eigenkapitalbasis suchen 20 Prozent der Befragten und 14,3 Prozent wollen ihre Kreditwürdigkeit durch die Hereinnahme eines Partners erhöhen. Die Befragung zeigte aber auch, dass noch gut 80 Prozent der nordrhein-westfälischen Handwerksunternehmer Beteiligungsfinanzierung nicht in Betracht ziehen. Gründe, die aus der Sicht der Unternehmen gegen eine Beteiligungsfinanzierung sprechen, waren einmal die Auffassung, dass ein privater Geldgeber keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik des Unternehmens haben sollte. Dies gaben 27,8 Prozent der Befragten an. Jedes zehnte Unternehmen gab als Hinderungsgrund an, einem privaten Geldgeber keinen Einblick in das Unternehmen gewähren zu wollen. 7,8 Prozent sind der Auffassung, dass Bankkredite günstiger seien als Beteiligungskapital. Ein großer Anteil der Handwerksunternehmen scheuen den Aufwand, der damit verbunden ist, einen privaten Beteiligungspartner zu finden. Diese Meinung vertraten 20 Prozent der befragten Unternehmer. |
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