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Nordrhein-Westfälischer
Handwerkstag
Finanzmarktkrise und Handwerk Umfrageergebnisse zur Finanzierungssituation Ende 2008
Eine repräsentative Umfrage des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages (NWHT) im Handwerk des größten
deutschen Bundeslandes zu den Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf das Kreditvergabeverhalten
der Banken an Handwerksunternehmen zeigt jetzt ein differenziertes Bild der aktuellen Situation im Dezember.
1.100 Handwerker haben auf die Umfrage geantwortet. Wichtigstes Ergebnis der Umfrage ist folgende Aussage:
Eine Kreditklemme im Sinne einer Kreditverweigerung ist nach den Aussagen der befragten Handwerker vorerst
nicht in Sicht. Nur 4 % berichten im Rahmen der Umfrage, dass Kredite abgelehnt worden sind.
Tatsächlich eingetreten ist aber bei rund der Hälfte der Handwerksbetriebe eine Verschlechterung der
Kreditkonditionen.
- Die Kredite sind teurer geworden. 20 % der befragten Handwerksunternehmen geben an, dass die Bank höhere
Zinsen verlangt hat.
- Die Sicherheitsleistungen wurden erhöht. 30 % der kreditsuchenden Unternehmer im Handwerk musste höhere
Eigenkapitalanteile erbringen,
um einen Kredit zu erhalten.
Immerhin haben aber 46 % der befragten Betriebe keine Veränderung bei ihren Ban-ken gegenüber früheren
Kreditverhandlungen festgestellt. Hierbei wirkt sich aus, dass der Großteil der Handwerkerkredite durch
die Sparkassen- und Genossenschaftsban-ken vergeben werden. Nach den Erhebungen des Nordrhein-Westfälischen
Handwerkstages haben 62 % der Handwerker ihre Hauptbankverbindung bei den Sparkassen und 21 % bei den
Genossenschaftsbanken. Die übrigen Handwerksunternehmer führen ihre Konten bei privaten Großbanken.
Gerade bei den für den Mittelstand besonders wichtigen Sparkassen- und Genossenschaftsbanken
ist in den letzten Monaten ein massiver Mittelzufluss von Anlegern zu verzeichnen, die eine
höhere Anlagensicherheit bei diesen Banken erwarten.
Liquiditätsengpässe scheinen demzufolge bei diesen Instituten vorerst nicht in Sicht.
Dieser Tatbestand trägt sicherlich entscheidend dazu bei, dass es bislang zu keiner Kreditklemme im
Mittelstand gekommen ist.
Dementsprechend ist nur konsequent, dass 60 % der Handwerksunternehmer mit ihren Banken zufrieden
sind und zwar 63 % Zufriedenheit mit den Sparkassen, 61 % mit den Genossenschaftsbanken und 52 %
mit den privaten Banken.
Auf die Frage "Was könnten die Banken besser machen?" nannten 73 % der Hand-werksunternehmen güntigere
Kreditkonditionen, 32 % erwarten von den Banken mehr Service und bessere Beratung und 28 % fordern eine
höhere Risikobereitschaft der Banken bei der Kreditvergabe.
Das sich abzeichnende weiter verstärkte Risikobewusstsein im Bankensektor wird In-vestitionsvorhaben,
die nach der Rezession dringend erforderlich sein werden, verteu-ern und erschweren. Das wird den Aufschwung
nach der Rezession nachhaltig behindern. Zudem werden Bauherren ihre Bauvorhaben zurückstellen müssen, wenn
der erhöhte Eigenkapitalanteil und höhere Zinsen die Baufinanzierung erschweren sollten.
Zusammenfassend bleibt vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse festzustellen, dass dem Handwerk von
der Finanzmarktkrise nicht unmittelbar Gefahr droht. Vielmehr wird es von der weltweiten Rezession, die
durch den Beinahe-Zusammenbruch des Bankensystems maßgeblich verursacht wurde, auf dem Umweg über die
Realwirtschaft im neuen Jahr schwer betroffen sein. Die Auftragseingänge in den relevanten
Handwerksbereichen (Kraftfahrzeughandwerk, Bausektor, Zulieferer) brechen ein. Das wird im Jahr 2009 zu
starken Umsatz- und Beschäftigungsverlusten im Handwerk führen. Wenn die Rezession auch bei den
Verbrauchern ankommt, weil beispielweise die Arbeitslosigkeit wieder ansteigt, werden auch die verbrauchernahen
Handwerke in die Krise geraten und das Handwerk gerät in eine Abwärtsspirale.
Zurzeit ist schwer vorauszusagen, ob wir "nur" eine Rezession erleben werden oder ob es eine
Wirtschaftskrise größeren Ausmaßes mit unabsehbaren Folgen auch für unseren Wirtschaftsbereich geben wird.
Die hohe Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft stellt in der aktuellen und vorhersehbaren
weltwirtschaftlichen Situation ein großes Risiko für die deutsche Volkswirtschaft dar. Untergangsstimmung oder
Panikmache wäre jetzt aber das falsche Signal. Der Mittelstand muss sich gerade in dieser Situation auf seine
Stärken besinnen.
Die Umfrageergebnisse insgesamt als pdf-Dokument
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