Nordrhein-Westfalen NRW
 
Presseinformationen
Thesen zur Handwerkspolitik
Vorträge
Untersuchungen
Kursbuch zur Landespolitik
Stellungnahmen
Handwerk in Zahlen 
Veröffentlichungen
Veranstaltungen
Archiv
Inhaltsverzeichnis
Mitglieder / Gremien

    Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag
    Zusammenarbeit Handwerk/Hochschulen
    Thesen von Dr. Thomas Köster, Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags am 29.11.1999

    These 1:

    Zusammenarbeit "Hochschulen – Handwerk" lohnt für beide Seiten

    Handwerk ist ein langfristig wachsender Wirtschaftsbereich
    Beschäftigtenzuwachs von 1977 bis 1995 33,8 Prozent

    Zuwachs besonders in innovativen Branchen:

    • Elektrotechnik: + 50 %
    • Informationstechnik: + 103 %
    • Metallbau: + 63 %
    • Werkzeugmacher: 159 %
    • Modellbauer: + 168 %

    Im Handwerk gibt es eigene Neuentwicklungen (Ergebnisse einer Umfrage im Juni 1999)

    • Metallbau: 17%
    • Elektrotechnik: 13%
    • Informationstechnik: 18%
    • Nahrungsmittel: 14%

    Handwerk nutzt die Vielfalt neuer Techniken:

    • Internet: 50%
    • CAD in der Elektrotechnik: 49%
    • Ohne PC noch ganze 7%

    Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen:

    Demografische Veränderungen: Fachkräfte, Marktentwicklungen

    Durchdringung mit I+K-Techniken: E-Commerce im Handwerk

    Veränderung der Nachfrage, z. B. im Gebäudemanagement mit erheblichem zusätzlichen Kommunikationsbedarf

    Entwicklung von neuen Dienstleistungen

    Globalisierung mit veränderten Wettbewerbsbedingungen vor Ort, z. B. für Zulieferfirmen

    Das Handwerk ist ein lohnender Partner.

    Das Handwerk braucht die wissenschaftliche Begleitung zur Bewältigung der Zukunftsprobleme.

    These 2:

    Es gibt Beispiele für gelungenes Zusammenwirken zwischen Handwerk und dem Hochschul- und Wissenschaftssektor.

    Das deutsche Handwerksinstitut DHI mit den sieben angeschlossenen Einzelinstituten an Universitäten leistet seit vielen Jahrzehnten wertvolle Forschungsarbeit für das und mit dem Handwerk. In NRW sind dies das Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen und das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität Köln.

    Das Institut für angewandte Innovationsforschung IAI an der Universität Bochum hat sich unter der Leitung von Herrn Professor Staudt und der Geschäftsführung von Herrn Dr. Kriegesmann mit zahlreichen handwerks- und mittelstandsrelevanten Forschungsthemen befasst, so z. B. mit zwischenbetrieblicher Kooperation, Facility-Management und Technologietransfer.

    Die Forschungsgruppe für Handwerk und Mittelstand im Rheinisch-Westfälischen Institut RWI für Wirtschaftsforschung unter der Präsidentschaft von Herrn Professor Klemmer und der Leitung von Herrn Dr. Lagemann mit drei Mitarbeitern ist eine kleine aber hervorragende Einrichtung für Handwerks- und Mittelstandsforschung in Deutschland.

    Der Technologie-Transfer-Ring Handwerk NRW, gefördert vom Landeswirtschaftsministerium, ist das effizienteste Instrument des Technologie-Transfers zwischen Hochschulen, Wissenschaftssektor und Handwerk in Nordrhein-Westfalen. Über den Technologie-Transfer-Ring (TTH) sind eine Reihe von Hochschullehrern zu wichtigen Partnern des Handwerks geworden:

    • Professor Sanfleber (Universität Duisburg) hat als Mitglied des TTH und des ZWH-Beirates die Technologie-Transfer-Arbeit und die Weiterbildung im Handwerk seit Jahrzehnten mitgestaltet.
    • Professor Spiegels (Fachhochschule Münster) hilft seit Jahren, wenn Handwerker praktische technische Probleme lösen wollen (Vergabe von Diplomarbeiten etc.)
    • Professor Petuelli (Fachhochschule Paderborn) hat in Verbindung mit der Firma Saage in Nettetal eine technische Entwicklung auf den Weg gebracht, die durch eine Seifriz-Preisverleihung gewürdigt worden ist. Die Firma Saage hat durch diese Entwicklung im Treppenbau 15 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.
    • Insgesamt stammen fast 40 Prozent aller Seifriz-Preisträger (baden-württembergischer Preis für Technologietransfer im Handwerk) aus Nordrhein-Westfalen
    • Professor Packebusch (Fachhochschule Niederrhein) bildet handwerklich ausgebildete Studierende zu Wirtschaftsingenieuren aus und widmet sich in seiner Forschungsarbeit Problemen des Handwerks: Personalentwicklung im Handwerk etc.
    • Professor Schmidt (Universität Paderborn) widmet sich als einer von wenigen Wirtschaftswissenschaftlern mit großer Intensität und Erfolg Themen der Klein- und Mittelbetriebe.
    • Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wuppertal arbeitet eng mit Akademie der Handwerkskammer Düsseldorf zusammen: Gemeinsame Entwicklung von Unterrichtsmodulen in multimedialer Form etc.

    Soweit hier beispielhaft aufgelistet konkrete Formen der Zusammenarbeit, die belegen, dass wir im Austausch zwischen Wissenschaft und Hochschulen nicht ganz am Anfang stehen.

    These 3:

    Es existiert ein eiserner Vorhang zwischen der Denk- und Sprachkultur des Hochschul- und Wissenschaftssektors auf der einen Seite und den Klein- und Mittelbetrieben auf der anderen Seite.

    Bei handwerklichen Betriebsinhabern bestehen überwiegend gravierende Berührungs- und Schwellenängste gegenüber dem Hochschul- und Wissenschaftssektor.

    Vorbehalte gegenüber Hochschullehrern ("spricht nicht meine Sprache", "hat von der Praxis keine Ahnung").

    Die Folge ist: Nur 1 Prozent der von uns befragten Betriebe hat bereits Hochschulkontakte.

    Desinteresse der Hochschullehrer an Handwerksmeistern und ihren Betrieben, deren Erfahrungen sie als für sich nicht wertvoll einstufen.

    Handwerksmeister, die hervorragende Sachverständige z. B. für Baumängel oder für Dachundichtigkeiten sind, haben fast keine Chance auch nur einmal als Gesprächspartner in ein Seminar einer Technischen Hochschule eingeladen zu werden.

    Fachhochschulen verhalten sich hier nicht viel besser.

    These 4:

    Wissenschaft und Hochschulen vernachlässigen das Handwerk sträflich.

    Lehre
    Hochschulen bilden ihre z. Zt. knapp 2 Mill. immatrikulierten Studenten ganz überwiegend aus für Großunternehmen, freie Berufe und den öffentlichen Dienst, aber fast überhaupt nicht für kleinere und mittlere Unternehmen und das Handwerk, obwohl diese Betriebe über 90 % aller Unternehmen, weit über 50 % aller Arbeitsplätze und 80 % aller Ausbildungsverhältnisse zur Verfügung stellen.

    Die öffentlichen Ausgaben für Hochschulen in Höhe von 46 Milliarden DM pro Jahr (hier müssen die Kosten der medizinischen Einrichtung teilweise herausgerechnet werden) bedeuten eine gezielte Ausbildungssubventionierung bestimmter volkswirtschaftlicher Sektoren unter weitgehender Ausklammerung von Mittelstand und Handwerk.

    Der Personaltransfer von Absolventen der Hochschulen, insbesondere der Fachhochschulen, in Richtung Handwerksbetriebe ist bislang eine Restkategorie. So sind z. B. weniger als 2 % der Inhaber von Vollhandwerksbetrieben im Handwerkskammerbezirk Düsseldorf Diplom-Ingenieure.

    Forschung
    Kleine und mittlere Betriebe sowie das Handwerk sind von wenigen positiven Ausnahmen abgesehen praktisch nicht Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung.

    • Die Kontakte zwischen Großunternehmen und den Lehrstühlen für die verschiedenen technischen Disziplinen, insbesondere an den Technischen Hochschulen, sind traditionell sehr eng. Ein Interesse an Problemen der Klein- und Mittelbetriebe und des Handwerks ist nur selten vorhanden.
    • Die sich noch verstärkende Vergabe zusätzlicher öffentlicher Forschungsgelder als Gratifizierung für von Hochschullehrern aus Großunternehmen der Industrie eingeworbene Drittmittel ist geeignet, die einseitige Subventionierung großindustrieller Branchen durch den Hochschul- und Wissenschaftssektor weiter zu verstärken.
    • In den letzten 30 Jahren sind sogar Bildungsstrukturen, die sich durch einen besonders engen Austausch mit Klein- und Mittelbetrieben wie dem Handwerk auszeichneten, durch Neuausrichtung diesem Sektor faktisch entzogen worden: Die Weiterentwicklung der Werkkunstschulen zu Fachhochschulen für Design ist hierfür ein markantes (aus der Sicht des Handwerks negatives) Beispiel.

    These 5:

    Das Handwerk muss in stärkerem Maße Gegenstand wissenschaftlicher Lehre und Forschung werden.

    Im Bereich von Hochschulen und Wissenschaft sind folgende Maßnahmen naheliegend:

    Einrichtung von KMU-Handwerksabteilungen an bestehenden Lehrstühlen.

    Vermittlung von Studienpraktika im Handwerksunternehmen

    Einrichtung von Sonderforschungsbereichen "Handwerk und kleinere und mittlere Betriebe" durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

    Vergabe von handwerksspezifischen Themen bei Seminararbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen.

    Beteiligung von Vertretern des Handwerks an Veranstaltungen der Hochschulen.

    Durchführung handwerksspezifischer Symposien/Workshops an Hochschulen.

    Durchführung von Foren "Professor trifft Meister - Begegnung von Wissenschaft und Praxis".

    Seitens des Handwerks können diese Aktivitäten wie folgt unterstützt werden:

    Benennung von Kontaktpersonen als Ansprechpartner für Hochschulen.

    Beteiligung von Hochschullehrern mit Vorträgen an Handwerksveranstaltungen.

    Regelmäßige Information der Hochschule über Qualifikationen und Entwicklungen in der Handwerkspraxis.

    Beteiligung von Hochschulen an Weiterbildungsmaßnahmen des Handwerks.

    Einrichtung praxisorientierter Lehrgänge (Brückenkurse) für Hochschulabsolventen, die im Handwerk Führungspositionen anstreben.

    Organisation von Betriebserkundungen für Hochschullehrer und Studierende.

    Beteiligung von Hochschullehrern an Symposien/Workshops des Handwerks.

    These 6:

    Der Transfer von Wissen, Technologie und Personal in das Handwerk muß gestärkt werden.

    Im Handwerk gibt es ein beträchtliches und bislang nicht befriedigtes Interesse an Kontakten und Zusammenarbeit mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Nach der bereits zitierten Umfrage interessieren sich 9% aller Befragten für solche Kontakte; im Metallbau sind es sogar 17%.

    Technologietransfer und die gemeinsame Entwicklung von Produkten und Verfahren ist im Handwerk eine Sache des persönlichen Vertrauens. Das muss systematisch entwickelt werden. Es setzt mehr Offenheit gegenüber Anfragen aus dem Handwerk und die Bereitschaft, sich um die Lösung praktischer Probleme zu kümmern, voraus.

    Entwickeln von Kommunikationsstrukturen in den Hochschulen, die eine schnelle Problemlösung ermöglichen. Denn gegenwärtig muss die Frage erlaubt sein, ob die von uns immer nachhaltig unterstützten Technologietransferstellen an den Hochschulen ihrer Aufgabe - schnelle Vermittlung von kompetenten und interessierten Gesprächspartnern - wirklich gerecht werden können.

    Der Beginn einer Zusammenarbeit zwischen Handwerksbetrieb und Hochschule darf nicht durch kleinliche Erwartungen finanzieller Art behindert werden. Entwicklungs- und Wachstumspotentiale bleiben oft unerkannt, weil die Hürden für den Einstieg in die Zusammenarbeit seitens der Hochschulen zu hoch gelegt sind.

    Wir bieten für Mitarbeiter an den Hochschulen gerne die Möglichkeit, im Rahmen eines Personalaustausches z. B. mit dem TTH-Ring Handwerk NRW die Fragen und Probleme der Handwerksunternehmen unmittelbar kennenzulernen. Ich lade gerade die Transferstellen ein, davon Gebrauch zu machen.

    These 7:

    Wir brauchen an den Hochschulen eine stärkere Bereitschaft zur Selbständigkeit auch im Handwerk

    Hochschulabsolventen technischer Disziplinen können bei entsprechender praktischer Erfahrung interessante und wirtschaftlich gesunde Handwerksunternehmen gründen bzw. übernehmen. Dafür haben Hochschulabsolventen die erforderlichen Voraussetzungen. Es fehlt aber an Information und Motivation der Studierenden.

    Da in den nächsten Jahren Zehntausende von großen und ertragsstarken Handwerksbetrieben altersbedingt zur Übergabe anstehen, hat der Personaltransfer, insbesondere aus Fachhochschulen und Technische Hochschulen ins Handwerk nicht nur Chancen, sondern ist dringend erforderlich.

    run als Existenzgründungsinitiative der Fachhochschule Niederrhein kann ein positives Beispiel werden. Dafür muß das Handwerk aber stärker eingebunden werden.

    Wir sehen der Zusammenarbeit an dem Existenzgründungsprogramm BIZEPS an der Universität Wuppertal mit hohen Erwartungen entgegen.

    Seitens des Handwerks besteht jede Bereitschaft zur Kooperation, um

    • über neue Chancen im Handwerk zu informieren
    • Gründungsberatung zu übernehmen
    • bei der Vermittlung von vorhandenen Betrieben zu helfen.

    Deshalb erwarten wir auch, dass Fragen der Existenzgründung aus den Hochschulen im Rahmen der NRW-Gründungsoffensive ein noch stärkeres Gewicht erhalten und dabei einen zusätzlichen Fokus auf das Handwerk gewinnen. (Forcierung der Gründung von Handwerksunternehmen durch Fachhochschulabsolventen im Rahmen der Gründungsoffensive.)

    These 8:

    Es müssen Lehrstühle für kleine und mittlere Unternehmen und das Handwerk gegründet werden.

    Es gibt Lehrstühle für Industriebetriebslehre, Bankbetriebslehre, Versicherungsbetriebslehre, aber keine Lehrstühle für Betriebslehre der Klein- und Mittelbetriebe und des Handwerks.

    Die Folge ist:

    Die Mittelstandsforschung führt verglichen mit anderen Forschungsbereichen ein Stiefmütterchen-Dasein. Und das trotz der anerkannten volkswirtschaftlichen Bedeutung des Mittelstandes.

    Studierende finden keine ausreichende Möglichkeiten, sich während des Studiums auf die betriebswirtschaftliche und technische Betätigung in mittelständischen Unternehmen vorzubereiten.

    Nur wenn es an einer Vielzahl von Fachhochschulen und Universitäten Professuren gibt, die ausdrücklich für Lehr- und Forschungsaufgaben im Mittelstand ausgewiesen sind, kann die Bundesrepublik Deutschland die auch international gesehen unzureichende Berücksichtigung der kleinen und mittleren Unternehmen in der Wissenschaft überwinden. Einzelne befristete Stiftungsprofessuren allein reichen nicht aus.

    These 9:

    Wir brauchen duale Ausbildungsgänge im Zusammenwirken von Hochschule und Handwerk.

    Wir erkennen das besondere Engagement einzelner Fachhochschulen (besonders zu erwähnen ist etwa die Fachhochschule Düsseldorf) um die Handwerksmeister als besondere Gruppe von Studenten an. Mit dem Modellversuch und dem Zugehen auf diese Studierenden aus dem Handwerk ist die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems in einem Fall hergestellt und mit Leben erfüllt worden.

    Das FHS- Studium von Handwerksmeistern kann dennoch nicht als generelles Leitbild der beruflichen Bildung verstanden werden. Es zeigt aber die Qualifizierungsnachfrage auf Hochschulniveau aus dem Handwerk. Dass viele junge Menschen die doppelte Qualifikation in der handwerklichen Praxis und an einer Hochschule als sinnvoll für die eigene berufliche Karriere ansehen, zeigen überdies die hohen und weiter wachsenden Anteile von Studierenden, die über eine praktische Berufsausbildung verfügen.

    Statt Trennung der Ausbildungswege sollten als weitere Option beide Seiten auch stärker integriert werden.

    Dafür gibt es erste Beispiele:

    Vorbildlich ist ein integrierter Fachhochschul-Studiengang in Kooperation der Fachhochschule Gießen und des Bundesinnungsverbandes Orthopädietechnik, in den die Meisterschule in den Fachhochschul-Studiengang integriert ist.

    Ein erster Schritt unter Beteiligung des Handwerks ist für die nordrhein-westfälische Wissenschaftspolitik die Kooperation zwischen handwerklicher Ausbildung und Fachhochschulstudium im Rahmen des kooperativen Fachhochschul-Studienganges Gebäudetechnik an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Der Vollständigkeit zu nennen sind hier auch die integrierten Fachhochschul-Studiengänge an der FH Niederrhein, die bislang noch ohne Beteiligung des Handwerks angeboten werden.

    Wichtig ist aus unserer Sicht, dass es wirklich zu einer Integration kommt, die Leistungsstarken einen Weg bietet, gleichzeitig eine volle praktische Berufsausbildung bis hin zum Handwerksmeister und eine praxisbezogene Hochschulqualifikation zu erreichen - unter Beteiligung sowohl der Bildungseinrichtungen des Handwerks wie der Fachhochschulen.

    Auch wo keine neuen dualen Ausbildungswege entstehen, ist ein stärkerer Bezug der Hochschulausbildung zur Praxis erforderlich, um den Studierenden den Weg in das Arbeitsleben durch ein möglichst weites Kompetenzspektrum zu erleichtern. Dazu zwei Beispiele:

    Die Architektenausbildung kommt weitgehend ohne Praxis auf dem Bau aus. Die Folge ist: Die Architekten klagen selbst darüber, dass die sie als kreative Planer die Kommunikationsfähigkeit mit den Handwerkern verloren haben und damit auch die Kompetenz in der Bauregie.

    Die Entfremdung der Lehrer von der praktischen Arbeitswelt verhindert geradezu eine kompetente Vorbereitung auf das Berufsleben. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Auszubildende an den Berufsschulen von Lehrern unterrichtet werden, die die Praxis nur vom Hörensagen kennen.

    Soweit das geplante neue Gesetz über die Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen die Hochschulen aus einem engen Geflecht von Reglementierungen befreit und die erweiterte Eigenverantwortlichkeit dann für kürzere, berufsqualifizierende Studiengänge mit höherem Praxisbezug genutzt wird, findet dies die Unterstützung des Handwerks.

    These 10:

    Wir benötigen die Gründung von Fachhochschulen aus dem Mittelstand.

    Die Qualifikationsangebote im Handwerk selbst müssen erweitert werden und bedürfen einer stärkeren akademischen Untermauerung und Ergänzung.

    Ein erster Schritt dazu sind die Handwerksakademien, die in einem Ausbildungsgang auf die Meisterprüfung aufsetzend im Rahmen von 500 Unterrichtsstunden zum Betriebswirt im Handwerk qualifizieren. Vergleichbare Akademien gibt es darüber hinaus nur im Bereich der Gestaltung im Handwerk, nicht aber als technische Akademien im Handwerk. Sinnvoll erscheint dies etwa für die Bereiche Gebäudetechnik oder für die Netzwerktechnik mit zunehmenden Anforderungen an technischem und handwerklichem Know How.

    Die konsequente Fortentwicklung ist die Gründung von Fachhochschulen im Mittelstand selbst. Ziel sollte es sein:

    • Integration von beruflicher Ausbildung und Hochschulausbildung in eigener Verantwortung von den Organisationen des Handwerks selbst
    • Mehr Flexibilität in der beruflichen Qualifikation gewinnen vor allem durch die Umsetzung von Modellversuchen, die sich aus dem Bedarf in der Praxis ergeben
    • Kürzere Formen der Hochschulqualifizierung müssen ermöglicht werden.
    • Volle Anerkennung von Abschlussdiplomen etwa als Fachhochschulabschluss

    Voraussetzung für das Gelingen einer Fachhochschule in der Trägerschaft des Handwerks ist der Verzicht auf eine Fesselung durch das öffentliche Dienstrecht. Angesichts der ohnehin erforderlichen größeren Flexibilisierung in der gesamten Hochschulbildung darf dem Engagement zur Entwicklung zukunftsträchtiger integrierter Berufsausbildungsangebote keine unnötigen Hürden in den Weg gelegt werden (Verankerung von Experimentierklauseln in den einschlägigen Gesetzen).

    Schlusstenor:

    Dort, wo man wie in Münster einen systematischen Dialog zwischen Handwerk und Hochschulen beginnt, wächst auch das gegenseitige Verständnis und die für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit.

    Wunsch an die weitere Diskussion in der Veranstaltung ist: Beginn dieses Dialoges an vielen Orten, um eine Vielzahl von Austauschforen zu erreichen.

    Das NRW Handwerk ist daran sehr interessiert.

Nordrhein-Westfalen NRW
 
Partner des NWHT: 
WHKT
Arbeitgebervereinigung Handwerk NRW (LFH) 
LGH
KreishandwerkershaftenKreishandwerker-
schaften NRW
 
Ihre Meinung?
Schreiben Sie uns. 
   
 E-Mail
    Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag (NWHT) 
    Georg-Schulhoff-Platz 1 
    40221 Düsseldorf  
    Tel.: 0211/87 95 315 und 0211/39 68 48; Fax: 0211/93 04 966
    © NWHT 2002

 Impressum
 Haftungsausschluss